Petrus-Krankenhaus

Verstopfung (Obstipation)

Was ist eine Verstopfung (Obstipation)?

Verstopfung ist ein Symptom mit unterschiedlicher Ausprägung und Bedeutung für verschiedene Menschen. Häufig liegt die Ursache in einer unregelmäßigen Darmtätigkeit, aber auch Veränderungen der Stuhlmasse/–beschaffenheit sowie der Stuhlentleerung lediglich nach starkem Pressen mit dem anschließenden Gefühl der unkompletten Entleerung können Ausprägung einer Verstopfung sein. Einige Patienten wenden zur regelmäßigen Stuhlentleerung auch Einläufe oder Zäpfchen sowie vielfältige Abführmittel an, um einen regelmäßigen Stuhlgang zu erreichen.

Für die meisten Menschen kann man eine allgemein gültige Regel der normalen Stuhlentleerung definieren: Von dreimal am Tag bis zu dreimal in der Woche ist normal.

Die normalen Stuhlgewohnheiten sind wesentlich beeinflusst durch unsere Nahrungsgewohnheiten. Die durchschnittliche Aufnahme von Ballaststoffen in unserer Bevölkerung liegt zwischen 12 – 15 g/Tag, obwohl eine Aufnahme von 25 – 30 g, verbunden mit einer Flüssigkeitszufuhr von 2 – 3 Litern, für eine gute Stuhlentleerung sorgen sollte. Auch körperliche Bewegung fördert die normalen Stuhlgewohnheiten.

Ernährungsgewohnheiten, die den Verzehr von dunklem Brot und einer ausreichenden Menge von Früchten und Gemüse beinhalten, sind völlig ausreichend, um eine Ballaststoffaufnahme von 25 – 30 g/Tag zu erreichen.

Über 80 % aller Menschen erleben irgendwann einmal eine Phase, in der sie Verstopfungsbeschwerden bemerken. Sofern sich diese nach kurzer Zeit normalisieren, kommt diesem Symptom kein Krankheitswert bei. Die weit verbreiterte Meinung, dass es wenigstens eine Stuhlentleerung zu einem festgelegten Tageszeitpunkt geben müsse, hat zu einem weit verbreiteten Missbrauch von Abführmitteln in unserer zivilisierten Welt geführt.

Was verursacht eine Verstopfung?

Die häufigsten Ursachen einer Verstopfung liegen in unseren Ernährungsgewohnheiten mit unzureichender Ballaststoffzufuhr und Flüssigkeitsaufnahme, aber auch anderen Umwelteinflüssen. So kann eine Verstopfung auch durch eine Reise, durch Schwangerschaft oder Diät verursacht werden.

Ernsthaftere Ursachen einer Verstopfung können in Erkrankungen des Dickdarms ihre Ursache haben. So ist ein Wechsel der Stuhlgewohnheiten unter anderem ein Symptom für die Ausbildung eines Dickdarmtumors. Sollte eine Verstopfung länger bestehen, so ist es auf jeden Fall sinnvoll, sich von einem erfahrenen Arzt untersuchen zu lassen. Weitere seltene Ursachen einer Verstopfung können auch allgemeine Erkrankungen sein, wie der Lupus erythematodes, Erkrankungen des Nerven- oder Drüsensystems, der Schilddrüse, die Multiple Sklerose, der Parkinson’schen Erkrankung, eines Schlaganfalls oder einer Rückenmarksverletzung.

Gibt es Medikamente, die Verstopfung verursachen?

In den Beipackzetteln vieler Medikamente findet sich u.a. der Hinweis auf eine Verursachung einer Verstopfung (Obstipation). Hier sind insbesondere Schmerzmedikamente, Antidepressiva, Tranquilizer. Psychopharmaka, Blutdruckmedikamente, Entwässerungstabletten, Eisen- und Kalziumpräparate und aluminiumenthaltende Säurebinder bei Magenerkrankungen zu nennen. Aber auch der Missbrauch von normalerweise nicht verstopften Patienten mit einer regelmäßigen Einnahme von Abführmitteln (Laxanzien), kann zu einer chronischen Verstopfung führen.

Wann muss ich wegen einer Verstopfung zum Arzt gehen?

Wie schon erwähnt, kann die chronische Verstopfung ein Symptom einer ernsteren Erkrankung sein. Dabei können sowohl der Wechsel von festem auf flüssigen Stuhl oder umgekehrt sowie die Erhöhung der Stuhlgangsfrequenz einen Hinweis auf eine ernstere Erkrankung sein. Grundsätzlich ist zu empfehlen, dass eine Verstopfung, die länger als drei Wochen andauert und neu aufgetreten ist, abgeklärt werden sollte. Ergänzend hierzu ist auch der Blutabgang mit dem Stuhl ein Hinweis auf eine weitere Erkrankung.

Wie kann man die Ursache einer Verstopfung feststellen?

Bei der Ursachenerforschung einer Verstopfung spielt zunächst der Ausschluss einer ernsteren Erkrankung eine wesentliche Rolle. Hierzu ist es erforderlich, dass der Arzt eine möglichst detaillierte Schilderung der Lebens- und Ernährungsgewohnheiten erhält. Zudem führen aber auch körperliche Untersuchungen zum Ausschluss weitergehender Erkrankungen. Neben der Untersuchung des Anus mit dem Finger, erfolgt auch häufig eine Spiegelung des unteren Verdauungstraktes. Auch Röntgenuntersuchungen können hilfreich sein. Findet sich auf diesem Wege eine anatomische Ursache, z.B. in Form eines Polypen oder einer entzündlichen Veränderung des Darmes, muss diese zur Beseitigung der Verstopfung behandelt werden.

Andere Tests ziehen mehr auf funktionelle Ursachen zur Entwicklung einer individuellen Therapie ab. Hier kommen z.B. die Verabreichung von röntgendichten Markern mit einer kleinen Kapsel und nachfolgender Röntgenuntersuchung zur Anwendung. Dieser Test kann die Dauer einer normalen Passage von Nahrungsmitteln bestimmen. Auch die Ausmessung des Schließmuskeldrucks sowie der Nervenleitströme im Bereich des Kontinenzorganes können in eigenen Fällen wichtige Hinweise geben. Obwohl diese Untersuchungen zum Ausschluss einer ernsteren Erkrankung erforderlich sind, lässt sich häufig keine direkte Ursache für das Auftreten einer Verstopfung finden.

Eine eingehende Untersuchung ist zur Abklärung einer Verstopfung zum Ausschluss ernsterer Erkrankungen immer erforderlich!

Wie behandelt man eine Verstopfung?

In den meisten Fällen reicht es beim Vorliegen einer Verstopfung aus, eine entsprechende stuhlregulierende Diät und ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu verabreichen. Diese sollte ballaststoffreiche Lebensmittel, wie z.B. dunkles Brot, aber vor allen Dingen auch in ausgewogener Menge Früchte und Gemüse enthalten. Eine zusätzliche Aufnahme von größeren Mengen geschroteten Korns, z.B. Leinsamen, sind meistens nicht erforderlich.

Die Ernährungsumstellung und Aufnahme von zusätzlich reichlicher Flüssigkeit benötigt aber nichtsdestotrotz oft einige Wochen, bevor die positive Veränderung durch den Patienten bemerkt werden kann. In einem Fall von vorliegendem Missbrauch von Abführmitteln, ist eine Entwöhnungsphase unter ärztlicher Kontrolle als begleitende Maßnahme unbedingt erforderlich. Die Dauertherapie mit solchen Medikamenten sollte dabei stets durch den Arzt verordnet und kontrolliert werden. Nichtsdestotrotz können solche Maßnahmen bei bestehenden Allgemeinerkrankungen oder den erwähnten medikamentösen Nebenwirkungen sinnvoll sein.

Der Wunsch nach einer pünktlichen und regelmäßigen Stuhlentleerung kann für manche Menschen sinnvoll sein, sollte jedoch nicht zu einer zwingenden Notwendigkeit erklärt werden. Beim Vorliegen einer Schließmuskelstörung kommen zudem „krankengymnastische Übungen“ (Biofeedback-Methode) zur Normalisierung des Schließmuskelapparates zur Anwendung. Nur in seltenen Fällen ist eine chirurgische Therapie zur Behandlung der chronischen Verstopfung erforderlich. Die damit zusammenhängenden Einzelheiten sollten im Vorfeld ausführlich mit dem Koloproktologen diskutiert werden.

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