Petrus-Krankenhaus

Reizdarmsyndrom (irritables Kolonsyndrom)

Was ist ein Reizdarmsyndrom?

Das Reizdarmsyndrom stellt eine häufige Fehlfunktion des Dickdarmes in einem hohen Prozentsatz der Bevölkerung, die über „Darmbeschwerden“ klagen dar. Viele Namen, wie z.B. „nervöser Darm“, „spastischer Darm“, „nervöse Darmentzündung“ usw. verdeutlichen die Schwierigkeit der genauen Definition des Reizdarmsyndroms. Wichtig ist bei der Diagnosestellung vor allen Dingen der Ausschluss einer anderen, definierten, z.B. entzündlichen oder bösartigen Erkrankung. Der Begriff „Syndrom“ meint dabei eine bestimmte, immer wiederkehrende Verknüpfung gleichartiger Symptome, die sich nicht als Krankheit zusammenfassen lassen.

Wie äußert sich ein Reizdarmsyndrom?

Patienten, die über einen Reizdarm klagen, schildern häufig Phasen von anhaltenden Verstopfungen oder Durchfällen, in manchen Fällen sogar von Kombinationen dieser beiden Symptome. Manchmal kann sich ein Reizdarmsyndrom durch krampfartige Bauchbeschwerden, dem so genannten imperativen Stuhldrang oder Blähungen äußern. Auch Schleimbeimengungen zum Stuhl können Ausdrucke eines Reizdarmsyndroms sein. Der anale Blutabgang stellt jedoch immer ein Symptom einer anderen Erkrankung des Dickdarms oder des Anus dar und wird nicht durch ein Reizdarmsyndrom verursacht.

Was verursacht ein Reizdarmsyndrom?

Beim Reizdarm beobachtet man eine Funktionsstörung des normalen Muskelbewegungsablaufes im Bereich der Darmwand. Normalerweise arbeitet die Darmwandmuskulatur automatisch und transportiert durch so genannte wellenförmige Bewegung (Peristaltik) den Stuhlbrei durch das Darmlumen. Auch wenn sich bei mikroskopischen Untersuchungen keine anatomischen Abnormitäten im Bereich der Darmwandmuskulatur feststellen lassen, führt diese Funktionsstörung zu einem zu schnellen oder zu langsamen Transport des Darminhaltes zu bestimmten Zeiten.

Welche Rolle spielt Stress bei der Entstehung eines Reizdarmsyndroms?

Nervliche Belastungen können bei manchen Patienten zur Ausbildung eines Reizdarmsyndroms führen. Das Gehirn und die Funktion der inneren Organe sind durch feine Nervenfasern, dem so genannten autonomen Nervensystem, miteinander verbunden. Der Begriff des „sich in die Hose machen“ als Ausdrucke eines Angstzustandes, spiegelt die volkstümliche Bekanntheit dieser Tatsache wider. Auf äußere Erlebnisse kann der Körper also mit unspezifischen Symptomen, wie z.B. Übelkeit oder auch Durchfall, reagieren. Dabei unterliegen diese Symptome keinerlei willkürlichen Kontrollen. Der Abbau von äußerer Spannung hilft häufig, die Ausprägung eines Reizdarmsyndroms zu kontrollieren.

Wie finde ich persönliche Ursachen eines Reizdarmsyndrom heraus?

Die Diagnosestellung eines Reizdarmsyndroms gestaltet sich oft schwierig. Neben einer ausführlichen Erhebung der Krankheitsgeschichte sowie Darstellung der persönlichen Umstände, müssen einige körperliche und weitergehende diagnostische Verfahren eine ernsthaftere Erkrankung ausschließen. Hier kommen neben der Spiegelung des Darmes auch röntgenologische Verfahren zum Einsatz. Ebenso hilfreich kann eine psychologische Untersuchung durch Hilfestellung einer neutralen Person in der Ursachenforschung sinnvoll sein.

Wie wird ein Reizdarmsyndrom behandelt?

Schon die Einsicht, dass ein Reizdarmsyndrom keine lebensbedrohliche Erkrankung darstellt, reduziert die Angst und den Stress, der durch die körperlichen Symptome auf den Patienten wirkt. Neben der persönlichen Bewältigung äußerer Einflüsse, können Entspannungstraining sowie die Normalisierung der Lebensgewohnheiten einen positiven Einfluss auf das Reizdarmsyndrom haben. Im Einzelfall kann auch eine medikamentös begleitende Therapie mit die Darmwand beeinflussenden Medikamenten vorübergehend sinnvoll sein. In Abhängigkeit der gefunden psychologischen Ursachen, ist auch an eine weitergehende Therapie in diesem Bereich zu denken. Eine ausgewogene Diät ist ebenfalls von positivem Einfluss.

Gibt es bestimmte Diätvorschriften?

Die Ursachen des Reizdarmsyndroms sind sehr individuell und hängen stark von den Lebensgewohnheiten des jeweiligen Patienten ab. Grundsätzlich gilt es, jedwede Exzesse, sei es durch hohen Koffein- oder Alkoholgenuss, aber auch von zu fettreicher oder süßer Nahrung zugunsten einer ausgeglichene Diät, zu vermeiden. Dabei hilft häufig das Gespräch mit dem behandelnden Arzt, die Nahrungsbestandteile, welche im Einzelfall vermieden werden sollten, herauszufinden. Im Übrigen kann auch das Rauchen die Beschwerden durch ein Reizdarmsyndrom verstärken.

Wie lange dauert die Behandlung eines Reizdarmsyndroms?

Die Therapie des Reizdarmsyndroms ist oft langwierig und schwierig, da sie mit vielen, schon geschilderten Faktoren zusammenhangt. Inwieweit sich die Symptomatik verbessern lassen, hängt hierbei immer von der Bereitschaft des Patienten zur Veränderungen und dem Verständnis zwischen Arzt und Patient ab. Eine allgemeine Richtlinie lässt sich somit nicht aufstellen.

Kann ein Reizdarmsyndrom zu ernsten Problemen führen?

Das Reizdarmsyndrom stellt eine Ausschlussdiagnose weitergehender Erkrankungen dar. Fälle, in denen nachfolgend entzündliche oder gar bösartige Veränderungen im Bereich des Darmes beobachtet wurden, sind nicht bekannt. Nichtsdestotrotz führt das Reizdarmsyndrom, auf Grund der häufig wiederkehrenden Symptome, viele Patienten regelmäßig in die Sprechstunde des Koloproktologen. Dabei gilt es, auch im Verlauf, eine neu auftretende, vom Reizdarmsyndrom unabhängige Erkrankung auszuschließen.

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