Petrus-Krankenhaus

Rückenmarkstimulation

Was ist Rückenmarkstimulation?

Die Rückenmarkstimulation ist ein seit über 40 Jahren etabliertes Verfahren zur Behandlung von chronischen Schmerzzuständen verschiedenen Ursprungs, hauptsächlich neuropathischen Schmerzsyndromen.

Bei der Rückenmarkstimulation werden in der Wirbelsäule Elektroden platziert, welche elektrische Impulse an das Rückenmark abgibt. Diese Impulse hemmen die Schmerzweiterleitung der Nerven an das Gehirn und der Patient spürt stattdessen ein angenehmes Kribbeln im zuvor angegebenen Schmerzbereich.

Für wen kommt die Rückenmarkstimulation in Frage?

Etablierte und anerkannte Anwendungsgebiete für die Rückenmarkstimulation sind:

• Komplexe chronische Rücken-Bein-Schmerzsyndrome
• Komplexe regionale Schmerzsyndrome. Direkte oder indirekte Nervenverletzungen an den Armen oder Beinen mit ausstrahlenden Schmerzen (CRPS Typ I (Morbus Sudeck), CRPS Typ II)
• Neuropathische Schmerzsyndrome
• FBSS-Failed Back Surgery Syndrome (Chronischer Rücken/Beinschmerz nach vorangegangenen Bandscheiben- oder Wirbelsäulenoperationen)
• Therapierefraktäre Angina Pectoris (konservativ nicht behandelbare, attackenartige Brustschmerzen bei Verengungen der Herzkranzgefäße, die durch zusätzliche herzkranzerweiternde Operationen oder Medikamente nicht behebbar sind)
• Therapierefraktäre arterielle Verschlusskrankheit paVK (konservativ nicht behandelbare, attackenartige oder dauerhafte Beinschmerzen bei Verengungen der Beinschlagadern, die durch zusätzliche gefäßerweiternde Operationen oder Medikamente nicht behebbar sind)
• Raynaud-Syndrom
• Postherpetische Neuralgien (chronische, brennende Genital – oder Flankenschmerzen oder gürtelförmige Schmerzen im Bereich des Brustkorbs nach Herpes zoster-Virusinfektion)
• Genitoanale Schmerzsyndrome
• Pelvine oder Retropelvine Schmerzsyndrome – Schmerzen im Genital oder Beckenbereich – sowie Blasenfunktionsstörungen und Erektile Dysfunktion durch Stimulation der Sakralnerven im Steißbein (SRS).
• Phantom/Stumpfschmerzen
• Chronischer Leistenschmerz nach mehrfachen Leistenoperation (Postherniotomiesyndrom)

Die Diagnose und Therapie erfolgen natürlich nach vorheriger Absprache mit dem behandelnden Arzt und/oder Schmerztherapeuten sowie nach ambulanter Vorstellung zu einer ausführlichen Untersuchung und Vorgesprächen in unserer Sprechstunde.


Behandlungsablauf

Nach der Aufnahme in unseren Fachbereich gliedert sich das operative Verfahren in zwei Behandlungsabschnitte:
Im ersten Eingriff erfolgt unter örtlicher Betäubung, Analgosedierung und Röntgen-Kontrolle die perkutane Implantation und Platzierung der Elektroden im Rückenmarkskanal.
Damit der Operateur die Elektrode optimal platzieren kann, sind die genauen Angaben vom wachen Patienten bei der intraoperativen Teststimulation erforderlich. Bei optimaler Lage der Elektrode verspürt der Patient ein angenehmes Kribbeln im kompletten, zuvor angegebenen Schmerzareal.
Es folgt eine mindestens dreitägige, stationäre Teststimulationsphase, bei der täglich nach Angaben des Patienten die Stimulationsparameter verändert werden können, damit die optimale Effektivität der Stimulation in Ruhe und unter Belastung ausgetestet werden kann.

Wenn der Patient von der Stimulation profitiert und einen Rückgang der Schmerzen von mehr als 50% oder für ihn ausreichend angibt, wird in einem zweiten Eingriff ein Impulsgenerator wahlweise im Bauch oder im Gesäß implantiert und mit den liegenden Elektroden verbunden, so das das gesamte System unter der Haut liegt. In der Regel stellen sich die Patienten in dreimonatigen Abständen zu Kontrolluntersuchungen in unserer Sprechstunde vor. Eine Anpassung der Stimulation ist immer möglich und eine Reduktion der medikamentösen Therapie ist oft gewünscht.

Die Komponenten Ihres Neurostimulationssystems:

Die Elektroden:
Stabelektroden oder Plattenelektroden, die die Impulse vom Generator an das Rückenmark senden.

Der Impulsgenerator:
Ein kleiner Batterie betriebener Generator (ähnlich einem Schrittmacher), der Impulse zu den Elektroden sendet.

Das Programmiergerät:
Ähnlich einer Fernbedienung, mit der Sie nach eigenem Ermessen die Stimulation von außen einstellen können.

Das Aufladegerät:
Bei Systemen mit wiederaufladbaren Generatoren können Sie mit diesem die Batterie Ihres Generators von außen wiederaufladen.

Technischer Fortschritt in der Entwicklung von Elektroden und Impulsgeneratoren:

In den letzten Jahren entwickelte sich die Neurostimulation außerordentlich schnell. Mittlerweile sind die Impulsgeneratoren auf die kleinstmögliche Größe weiterentwickelt worden. Es gibt nun wiederaufladbare Systeme, die bis zu zehn Jahren funktionsfähig bleiben ohne ausgewechselt werden zu müssen.
Mit einpoligen Elektroden vor 30 Jahren beginnend, verfügen wir nun über acht-polige Stabelektroden, von denen nach Bedarf auch mehrere implantiert werden können.
Plattenelektroden, die ein breiteres Areal auf dem Rückenmark abdecken, müssen nun nicht mehr über einen offenen, wirbelsäulenchirurgischen Eingriff (Laminektomie) auf dem Rückenmark platziert werden, sondern können perkutan durch eine kleine Hautpunktion positioniert werden.


Ergebnisse:

In vielen Studien lässt sich eine deutliche Reduktion der Schmerzen, sowie eine massive Reduktion der Einnahme von Schmerzmitteln belegen. Dadurch bedingt steigt die Lebensqualität der Betroffenen, so das nicht wenige von ihnen wieder aktiv am Arbeitsleben teilnehmen können.

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Seniorenhaus Hermann-Josef-Lascheid